Dass Kennedy dennoch im Herbst 1963 einen weitgehenden Rückzug der US-Soldaten aus Vietnam bis Ende 1965 nicht mehr ausschloss – unter der Voraussetzung, dass bis dahin die Südvietnamesen in die Lage versetzt wären, deren Aufgaben zu übernehmen –, geht aus seinem National Security Action Memorandum (NSAM) 263 vom 11. Oktober 1963 hervor. In Dokument 142 der Pentagon-Papiere ist der Inhalt des NSAM 263, hier auszugsweise zitiert, zu finden:
„Es ist ein Programm aufzustellen, nach dem die Vietnamesen soweit ausgebildet werden, dass die jetzt von Angehörigen der US-Streitkräfte übernommenen wesentlichen Aufgaben spätestens Ende 1965 in vietnamesischen Händen liegen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte es möglich sein, das Hauptkontingent der amerikanischen Truppen abzuziehen. […] In Abstimmung mit dem Programm zur Ausbildung von Vietnamesen für militärische Funktionen bereitet das Verteidigungsministerium sofort Pläne für den Abzug von tausend Militärangehörigen bis Ende 1963 vor, die in allernächster Zeit veröffentlicht werden sollen.“– I B (3)
Bis Dezember 1963 sollten also 1000 Militärangehörige aus Vietnam abgezogen werden, bis 1965 sollte nach Möglichkeit das Hauptkontingent folgen. Doch schon in der Woche nach Kennedys Beisetzung wurde diese Weisung durch seinen Nachfolger Lyndon B. Johnson wieder zurückgenommen. Ob Kennedy die unter Johnson erfolgte Eskalation des Krieges und direkte Kriegsführung der US-Streitkräfte in Vietnam tatsächlich vermieden hätte, ist unter Historikern und ehemaligen Mitarbeitern beider Präsidenten umstritten. Der Kennedy-Biograph Alan Posener ist zum Beispiel überzeugt, dass die Verstrickung der USA in den Krieg „Kennedys Vermächtnis“ sei; dass er, hätte er länger gelebt, sich nicht in den Krieg hätte ziehen lassen, sei eine „Legende“. Der ehemalige Nachrichtenoffizier John M. Newman argumentiert dagegen, Kennedy hätte nie amerikanische Kampftruppen in Vietnam stationiert; hätte er weitergelebt, wären die Militärberater bis 1965 abgezogen worden.